Nicht „meine“ Szene!

In Frankfurt (a.M.) und Umgebung Hardcore-Konzerte zu besuchen, bedeutet wie jegliche Teilnahme am linksradikalen Alltag vor Ort, so weit dieser außerhalb von IvI und Universität stattfindet, die eigene prozionistische Überzeugung zu verbergen, um sich vor antisemitisch motivierter Gewalt zu schützen(1). Daraus folgt für mich, dass ich Au, ExZess und Raumstation, wo eine antiamerikanische und antizionistische Hegemonie herrscht, die immer wieder in offenen Antisemitismus mündet, im Fall der Au gänzlich meide oder nur widerstrebend besuche, wenn mir einmal wieder die Decke auf den Kopf fällt.
Das Bedürfnis nach sozialen Kontakten und Konzertatmosphäre statt WG-Zimmer und Konservenmusik trieb mich am Samstagabend erstmals in die Metzgerstraße ins nahegelegene Hanau. Es war nicht anzunehmen, dass sich dieser Ort von besagten Frankfurter Örtlichkeiten ideologisch abheben würde. Der erste Blick in die Runde bestätigte diese Annahme: Palitücher und Hools waren in gewohnt ausreichender Menge vertreten.
Die regionalen Emo-Helden Tragic Vision bestachen durch einen Gesang, der an HWM erinnerte, und zeigten das „melodic“ nicht immer Schlechtes verheißt. Ich fühlte mich wohl und vergaß in welcher Umgebung ich mich befand. Zuletzt spielten Driving Range, deren Set ich leider nicht komplett verpasste. Diese waren nicht nur einfach undefinierbar schlecht, sondern krönten ihr Set mit einem Propagandhi-Cover. Einem der globalen Aushängeschilder des Polit-Punks mit gewohnt verfehlter Kapitalismuskritik, die diese Sparte so anschlussfähig für deutsche USA-Hasser und Antisemiten macht. Besagtes Cover besaß den Refrain „Fuck zionism. Fuck militarism. Fuck americanism. Fuck nationalism. Fuck religion.“(2). Anstatt zu intervenieren, begann ein großer Teil des bisher wenig amüsierten Publikums noch einmal den Zeigefinger zu strecken. Warum nicht gleich den Arm?
Nie wieder Metzgerstraße!

(1) Sinistra!: „Antisemitische Übergriffe in Frankfurt“ auf www.sinistra.tk unter reading/features

(2) Die Propagandhi-Debatte im Conne Island


3 Antworten auf “Nicht „meine“ Szene!”


  1. 1 Maxim Imnurda 28. Januar 2007 um 21:23 Uhr

    Besagtes Cover besaß den Refrain „Fuck zionism. Fuck militarism. Fuck americanism. Fuck nationalism. Fuck religion.“(2). Anstatt zu intervenieren, begann ein großer Teil des bisher wenig amüsierten Publikums noch einmal den Zeigefinger zu strecken. Warum nicht gleich den Arm?

    Fällt Dir was auf?

  2. 2 bla 28. Januar 2007 um 21:35 Uhr

    hast du interveniert?

  3. 3 Administrator 28. Januar 2007 um 23:25 Uhr

    zu bla:
    nein, ich habe nicht interveniert, weil ich in hinblick auf die scheinbare unmöglichkeit die nahost-debatte sachlich zu führen und der homogenen zusammensetzung des publikums, das ausarten in oder die sofortige schlägerei vermeiden, mich dieser eskalation als (ortsfremde) einzelperson nicht aussetzen wollte. die erste fußnote zeigt mit welchen reaktionen prozionisten in rheinmain rechnen müssen, einzig weil sie diese position vertreten.

    zu maxim:
    ich denke deine hervorhebungen entstellen das zitat. wenn menschen, speziell deutsche, „Fuck zionism“ und „Fuck americanism“ singen, dann sind die typischen verschwörungstheorien, die die kapitalistische gesamtscheisse im endeffekt auf zwei (böse) staaten reduzieren, nicht weit. menschen an denen die begründete kritik bezüglich dessen seit jahren vorbei geht, unterstelle ich an dieser stelle absicht und nicht fehlendes reflektionsvermögen. die hervorgehobenen stellen in diesem refrain sind in anbetracht dessen nicht mehr als deko, um die hässlichen stellen zu verdecken.

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